Entdeckung und Geschichte der Villa rustica Wachenheim

Der römische Gutshof wurde zufällig bei der Flurbereinigung 1980 entdeckt. Die Fläche mit den römischen Bauresten konnte aus der Weinbergnutzung herausgenommen werden und wurde in der Folgezeit durch die Archäologische Denkmalpflege Speyer nahezu vollständig ausgegraben und die Gebäudereste restauriert.

Bei Kanalarbeiten wurde im September 1997 der zur Villa rustica gehörige römische Bestattungsplatz an der Friedelsheimer Straße entdeckt. In der Folgezeit wurden eine große Anzahl verschiedenartiger Gräber in den zugänglichen Bereichen durch die Archäologische Denkmalpflege Speyer ausgegraben. Der Fund einer steinernen Aschenkiste von 72 cm x 60 cm Größe mit einem Henkelkrug und einer Münze des 2. Jahrhunderts 1890 in der Nähe der Friedelsheimer Straße und die vermauerten Reste von Grabdenkmälern in der Villa selbst gaben einen Hinweis auf den zugehörigen Friedhof, der zunächst westlich der Villa rustica vermutet wurde. 

Bei den Ausgrabungen in dem 15.000 m2   großen Gutshofgelände kamen 1980‑1989 in dichter Folge auch diverse Siedlungsspuren vorgeschichtlicher Perioden zutage. Im einzelnen handelt es sich um:

· Siedlungsspuren der jungsteinzeitlichen bandkeramischen Kultur des 6. Jahrtausends v.       Chr.

· Siedlungsspuren der späten Bronzezeit ca. 1300-800 v. Chr. und

· Siedlungsspuren der jüngeren Eisenzeit ca. 300-200 v. Chr.

Die Geschichte der römerzeitlichen Besiedlung beginnt um 20 n. Chr. mit der Gründung eines Gutshofes in reiner Holzbauweise. Funde dieser Zeit weisen auf eine elbgermanische Bevölkerungsgruppe, die aus Böhmen oder dem Elb-Saalegebiet zugewandert war und mit den historisch überlieferten, germanischen Nemetern in Verbindung zu bringen ist.

Der Ausbau des Hofes mit Steingebäuden beginnt wohl im frühen 2. Jahrhundert n. Chr. Nach Umbauten, vor allem im Bereich des Herrenhauses, dürfte der heute rekonstruierte Baubestand weitgehend in das frühe 4. Jahrhundert n. Chr. gehören. Anders als viele römische Höfe in der Rheinebene hat der Wachenheimer Hof die Unruhezeiten des 3. und 4. Jahrhunderts n. Chr. weitgehend unbeschadet überstanden. Auch im 5. Jahrhundert n. Chr., in der Völkerwanderungszeit, hat der Hof noch einige Zeit weiterbestanden. Noch in der 2. Hälfte des 5. Jahrhunderts hat eine romanisch-germanische Bevölkerungsgruppe den weitgehend verfallenen Hof bewohnt. Ein Bestattungsplatz fand sich im Nordosteck des Villenareals im Bereich des Speicherbaues.

Spätestens im 6. Jahrhundert n. Chr. war der Hof nach gut 480-jähriger Besiedlungsdauer endgültig verlassen worden.

Unweit westlich, inmitten der Aue, ließen sich fränkische Siedler nieder und gründeten den noch im 19. Jahrhundert bestehenden Osthof.