Entdeckung

Der römische Gutshof wurde zufällig bei der Flurbereinigung 1980 entdeckt.

Die Fläche, auf der die römischen Baureste standen, konnte aus der Weinbergnutzung herausgenommen werden. In der Folgezeit wurde der Gutshof mit Hilfe der Archäologischen Denkmalpflege nahezu vollständig ausgegraben und seine Gebäudereste restauriert.

Eine steinerne Aschenkiste enthielt den berühmten Henkelkrug und eine Münze aus dem 2.Jhd. Zusammen mit Bruchstücken von Grabdenkmälern gaben diese beiden Fundstücke einen Hinweis auf den zur Villa rustica zugehörigen Friedhof.

 

1997 wurde bei städtischen Kanalarbeiten der römische Bestattungsplatz tatsächlich entdeckt. Über mehrere Jahre hinweg legten Mitarbeiter der Archäologischen Denkmalpflege Speyer eine große Anzahl von verschiedenartigen Gräbern frei.

 

Erste Besiedlung

Bei den Ausgrabungen auf dem 15000 m2 großen Gutshofgelände kamen diverse Siedlungsspuren vorgeschichtlicher Perioden zutage:

 

die jungsteinzeitliche bandkeramische Kultur, ca 6000 - 5000 v.Chr.

 

die späte Bronzezeit, ca 1300 - 800 v.Chr.

 

die jüngere Eisenzeit, ca. 300 - 200 v. Chr.

 

Die Geschichte der römischen Besiedlung begann 20 n. Chr. mit dem Bau des Gutshofes in Holzbauweise. Funde aus dieser Zeit weisen auf eine elbgermanische Bevölkerungsgruppe hin, die aus Böhmen oder dem Elb-Saale-Gebiet zugewandert war und mit den germanischen Nemetern in Verbindung zu bringen ist, was uns historisch überliefert ist.

 

Der Ausbau des Landgutes mit Gebäuden aus Stein beginnt im frühen 2.Jhd. Nach Umbauten, vor allem im Bereich des Herrenhauses, dürfte der heute rekonstruierte Baubestand in das frühe 4.Jhd. gehören. Anders als viele römische Höfe in der Rheinebene hat die Villa rustica Wachenheim die Unruhezeiten des 3. und 4. Jhd. weitgehend unbeschadet überstanden.

 

Im 5.Jhd. bewohnte eine romanisch-germanische Bevölkerungsgruppe den weitgehend verfallenen Gutshof. Deren Bestattungsplatz lag an der nordöstlichen Ecke des Villenareals, im Bereich des Speicherbaus.

Nach fast 480jähriger  Besiedlungszeit wurden das Gelände und der Gutshof im 6.Jhd. entgültig verlassen.

Unweit westlich davon, inmitten der Aue, ließen sich fränkische Siedler nieder und gründeten den bis ins 19. Jhd. bestehenden "Osthof".