Entdeckung und Fundstücke

Unter der Leitung von Prof. Dr. Helmut Bernhard vom Landesamt für Archäologische Denkmalpflege Speyer wurde die Villa rustica Wachen­heim mit ihren Nebengebäuden ausgegraben, gesichert und teilweise rekonstruiert.

Es entstand ein Freilichtmuseum von 15000 m² Fläche. Das zum römischen Gutshof gehörige Gräberfeld wurde 1997 an der Straße Wachenheim-Friedelsheim 500 m südlich des Landgutes entdeckt. Gefunden wurden Steinsarkophage, Steinkisten, Ziegelplattengräber, teilweise mit wertvollen Grabbeigaben, wie einen Militärgürtel, den Sturzbecher, auch "Wachenheimer Urschoppenglas" genannt, und einiges mehr, ausgestellt im Historischen Museum Speyer.                                                                                                                            Eine steinerne Aschenkiste enthielt den berühmten Henkelkrug und eine Münze aus dem 2.Jhd. Zusammen mit Bruchstücken von Grabdenkmälern gaben diese beiden Fundstücke einen Hinweis auf den zur Villa rustica zugehörigen Friedhof. 

1997 wurde bei städtischen Kanalarbeiten der römische Bestattungsplatz tatsächlich entdeckt. Über mehrere Jahre hinweg legten Mitarbeiter der Archäologischen Denkmalpflege Speyer eine große Anzahl von verschiedenartigen Gräbern frei.

Einzigartiger Fund bei der Villa rustica Wachenheim: ein sehr gut erhaltener Henkelkrug aus grünem Glas
Einzigartiger Fund bei der Villa rustica Wachenheim: ein sehr gut erhaltener Henkelkrug aus grünem Glas
Römische Sandale, gefunden auf dem Gelände der Villa rustica Wachenheim
Römische Sandale, gefunden auf dem Gelände der Villa rustica Wachenheim

Erste Besiedlung

Imposant: die Villa rustica Wachenheim, ganz links der Bädertrakt. Der jetzige Zugang vom Parkplatz liegt zwischen dem Herrenhaus und den Wirtschaftsgebäuden. 3D-Rekonstruktion von archaeoflug
Imposant: die Villa rustica Wachenheim, ganz links der Bädertrakt. Der jetzige Zugang vom Parkplatz liegt zwischen dem Herrenhaus und den Wirtschaftsgebäuden. 3D-Rekonstruktion von archaeoflug
Ansicht der Villa rustica Wachenheim von Osten, mit Stallungen und Wirtschaftsgebäuden. 3D-Rekonstruktion von archaeoflug
Ansicht der Villa rustica Wachenheim von Osten, mit Stallungen und Wirtschaftsgebäuden. 3D-Rekonstruktion von archaeoflug

Die Geschichte der römischen Besiedlung begann 20 n. Chr. mit dem Bau des Gutshofes in Holzbauweise. Funde aus dieser Zeit weisen auf eine elbgermanische Bevölkerungsgruppe hin, die aus Böhmen oder dem Elb-Saale-Gebiet zugewandert war und mit den germanischen Nemetern in Verbindung zu bringen ist, was uns historisch überliefert ist.              

Der Ausbau des Landgutes mit Gebäuden aus Stein beginnt im frühen 2.Jhd. Nach Umbauten, vor allem im Bereich des Herrenhauses, dürfte der heute rekonstruierte Baubestand in das frühe 4.Jhd. gehören. Anders als viele römische Höfe in der Rheinebene hat die Villa rustica Wachenheim die Unruhezeiten des 3. und 4. Jhd. weitgehend unbeschadet überstanden.

 

Im 5.Jhd. bewohnte eine romanisch-germanische Bevölkerungsgruppe den weitgehend verfallenen Gutshof. Deren Bestattungsplatz lag an der nordöstlichen Ecke des Villenareals, im Bereich des Speicherbaus. Nach fast 480jähriger  Besiedlungszeit wurden das Gelände und der Gutshof im 6.Jhd. entgültig verlassen. Unweit westlich davon, inmitten der Aue, ließen sich fränkische Siedler nieder und gründeten den bis ins 19. Jhd. bestehenden "Osthof".